Johann Maria Carl Anton Ritter von Schullern zu Schrattenhofen
Johann Maria Carl Anton von Schullern zu Schrattenhofen wurde am 6. Februar 1797 geboren und starb am 28. Februar 1855. Er wurde im Familiengrabe zu Innsbruck beigesetzt. Als ältester Sohn des Johann Anton Albert von Schullern zu Schrattenhofen (1762–1815) und dessen Gemahlin Marianne von Leis zu Leimburg gehörte er jener Linie der Familie an, die nach der Rückkehr aus dem Pustertal wieder in Nordtirol, insbesondere in Innsbruck, verwurzelt war.²
Die familiäre Herkunft verweist deutlich auf ein Milieu des tirolischen Beamtenadels, dessen sozialer Rang wesentlich durch gelehrten Staatsdienst, Rechtsbildung und administrative Kontinuität getragen wurde. Der Vater war Pfleger und Landrichter zu Steinach und Sprechenstein, zuletzt Stadtgerichtsassessor in Innsbruck; die Mutter überlebte ihn bis 1827. Johann Maria Karl Anton wuchs damit in einem Umfeld auf, das durch obrigkeitlichen Dienst, dynastische Loyalität und die Erwartung beruflicher Bewährung im Staatsdienst geprägt war.³
Über seine Ausbildung teilt die Quelle mit, dass er im Jahre 1821 die juridisch-politischen Studien absolvierte. Damit schlug er jenen Bildungsweg ein, der im Vormärz für den Eintritt in den höheren Verwaltungsdienst der Habsburgermonarchie typisch war. Bereits 1829 wird er als Gubernialkonzipist genannt, während seine Ernennung zum Statthaltereikonzipisten erst 1854 erfolgte. Der Grund für dieses späte Vorrücken wird ausdrücklich genannt: Johann wollte Innsbruck „der Erziehung seiner Kinder wegen“ nicht verlassen. Gerade diese Bemerkung verleiht der knappen Überlieferung biographische Anschaulichkeit, weil sie den Beamten nicht nur als Funktionsträger, sondern auch als Familienvater erkennen lässt, der persönliche und häusliche Verpflichtungen über eine beschleunigte Laufbahn stellte.⁴
Auch für das Revolutionsjahr 1848 ist Johann Maria Karl Anton in der Überlieferung greifbar. Hermann von Schullern hält fest, dass er in Innsbruck zu jenen Persönlichkeiten gehörte, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung berufen waren. Diese Formulierung ist knapp, aber aufschlussreich. Sie zeigt Johann als Vertreter jener staatsloyalen, administrativ verlässlichen Schicht, auf welche die Monarchie in Zeiten politischer Erschütterung besonders angewiesen war. Näheres zu seinem konkreten Wirken im Revolutionsjahr teilt die Quelle zwar nicht mit; doch genügt schon dieser Hinweis, um seine öffentliche Rolle über den bloßen Familienzusammenhang hinaus sichtbar zu machen.⁵
Am 25. Januar 1830 vermählte sich Johann Maria Karl Anton mit Antonie von Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg, geboren am 14. November 1795, gestorben am 5. Februar 1846; auch sie wurde in Innsbruck bestattet. Die Ehe verband die Familie Schullern mit einem weiteren altansässigen Tiroler Adelsgeschlecht. Aus ihr gingen vier Kinder hervor: Marie (*1831, †1867), Anton Johann Caspar (*1832, †1889), Anna (*1834, †1894) und Josef (*1836, †1853). Der Sohn Anton Johann Caspar setzte die Tradition des Staatsdienstes fort und brachte es zum k. k. Ministerial-Konzipisten und kaiserlichen Rat; auch hierin spiegelt sich die fortdauernde Bindung der Familie an den habsburgischen Verwaltungsapparat.⁶
Die biographische Überlieferung zu Johann Maria Karl Anton von Schullern ist insgesamt knapp und im Kern genealogisch. Gerade deshalb verdient sie sorgfältige, zurückhaltende Auswertung. Sichtbar wird ein Lebensweg, der weniger durch spektakuläre Ereignisse als durch Beständigkeit im Staatsdienst, familiäre Ortsbindung und gesellschaftliche Verlässlichkeit geprägt war. Johann erscheint damit als ein charakteristischer Vertreter jener Tiroler Beamtenadelsfamilien, deren historische Bedeutung nicht in politischer Prominenz, sondern in der dauerhaften Mitwirkung an Verwaltung, Ordnung und sozialer Kontinuität lag.⁷
Fußnoten
1 Grundlage der folgenden Darstellung ist ausschließlich: Hermann v. Schullern zu Schrattenhofen, Über einige Familien des tirolischen Beamtenadels. Der Beitrag ist für das Jahrbuch ADLER 1895, Neue Folge Band 5/6, auf der Website der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft ADLER nachgewiesen; AustriaWiki nennt dazu den Seitenumfang S. 113–145. Die im Stammbaum gebrauchte Namensform lautet „Johann Maria Carl Anton“.
2 Zum Geburts- und Sterbedatum, zur Bestattung in Innsbruck sowie zu Eltern und Familienzugehörigkeit vgl. den Stammbaum-Eintrag Nr. 29 für Johann Maria Carl Anton und Nr. 24 für seinen Vater Johann Anton Albert.
3 Zur Stellung des Vaters als Pfleger und Landrichter, später Stadtgerichtsassessor zu Innsbruck, sowie zur Mutter Marianne von Leis zu Leimburg vgl. den Stammbaum-Eintrag Nr. 24. Zur Einordnung der jüngeren Linie der Schullern nach der Rückkehr nach Nordtirol vgl. die biographische Passage auf S. 17 des Digitalisats.
4 Zur Ausbildung, zur Stellung als Gubernialkonzipist seit 1829, zur Beförderung zum Statthaltereikonzipisten 1854 und zum ausdrücklich genannten Motiv, Innsbruck wegen der Kindererziehung nicht zu verlassen, vgl. die biographische Notiz auf S. 18 des Digitalisats.
5 Zum Hinweis auf Johanns Rolle im Jahr 1848 und seine Berufung zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Innsbruck vgl. ebenda.
6 Zur Ehe mit Antonie von Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg sowie zu deren Lebensdaten und Bestattung vgl. Stammbaum-Eintrag Nr. 29. Zu den Kindern Marie, Anton Johann Caspar, Anna und Josef vgl. die Einträge Nr. 32–35.
7 Die hier vorgenommene Charakterisierung ergibt sich aus der Dichte und Art der überlieferten Angaben: Die Quelle bietet keine ausgreifende Lebensbeschreibung, wohl aber klare Daten zu Herkunft, Ausbildung, Dienststellung, familiärer Bindung und öffentlicher Funktion im Jahr 1848.
Literaturverzeichnis
Schullern zu Schrattenhofen, Hermann v.: Über einige Familien des tirolischen Beamtenadels. In: Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler“, Neue Folge, Bd. 5/6 (1895), S. 113–145. Digitalisat: AustroAristo / AustroArchiv.